03.06.2020

„Meine größte Angst war, nie wieder Sport machen zu können.“

Patient Hans-Joachim Bartz fühlt sich nach der Herzklappen-Operation im vergangenen Jahr sogar fitter als zuvor.

Eine Herzerkrankung muss kein Grund sein, den Sport aufzugeben. Hans-Joachim Bartz fühlt sich nach der Herzklappen-Operation im vergangenen Jahr sogar fitter als zuvor.

Bitte, wie? Einen Triathlon gewonnen nach einer Herzklappen-Operation? Diese Frage muss Hans-Joachim Bartz aus Achern seit neuestem oft beantworten. „Erst voriges Jahr wurde mein Brustkorb aufgeschnitten und das Herz repariert“, drückt es der 66-jährige geradlinig aus.

„Ich war immer kerngesund und habe immer viel Sport gemacht.“ Als junger Mann Handball und später, als die Knie nicht mehr wollten, Triathlon. Seine Lieblingsdisziplin ist die olympische Distanz: Anderthalb Kilometer Schwimmen, vierzig auf dem Rad, zehn Laufen. Andere macht alleine die Vorstellung schlaff, Bartz aber wird nervös, wenn er mal einen Tag ungeplant pausiert. Doch plötzlich schwand die Kraft, ließ die Leistung immer mehr nach. „Bei Trainingsläufen kam ich nicht mehr mit.“ Kaum vorstellbar, wenn man den drahtigen Mann heute trifft: Durchtrainiert bis zur letzten Faser. Und strotzend vor Energie.

„Ich habe die Schwäche aufs Alter geschoben.“ Doch eine ausgebildete OP-Schwester aus seiner Triathlongruppe drängte ihn zum Arztbesuch: „Du, da stimmt was nicht“, sagte sie nach einem Trainingslauf. „Es war ein schöner Sommertag im Juni“, erinnert sich der pensionierte Mediaberater, „die übliche Zwölf-Kilometer-Runde. Ich konnte schon nach ein paar Metern nicht mehr.“ Seine Frau vereinbarte sofort einen Termin bei der Hausärztin, dann ging es schnell: Kardiologe in Offenburg, Überweisung ans Herzzentrum in Lahr, Sportverbot: „Ich durfte nicht mal aufs Ergometer, weil das zu gefährlich war“, erinnert er sich. „Die Herzklappe war so verkalkt, dass fast nichts mehr durchging“, beschreibt Bartz den Befund: Aortenklappenstenose, also eine Verhärtung und Verengung der Aortenklappe. Wenige Wochen später, im Juli 2018, wurde er im Herzzentrum operiert. „Die positive Grundstimmung und die ehrliche Beratung, ließen schlechte Gefühle nicht aufkommen“, sagt Bartz über die Zeit zwischen Diagnose und OP.

„Gleich bei der Aufnahme traf ich Professor Bauer. Er hat mich angeschaut und gesagt: ‚Kein Problem, das kriegen wir hin. Das wird richtig gut‘“, erinnert sich Bartz: „Das hat mich aufgerichtet.“ Der schlimmste Gedanke sei gewesen, keinen Sport mehr machen zu können. Für ihn war nach der Diagnose klar: „Ich kann das in den Griff kriegen, ich kann etwas machen. Ich will so schnell wie möglich wieder gesund werden und mein altes Leben haben. Und das ist auch gelungen.“ Bartz erhielt eine biologische Herzklappe aus tierischem Gewebe: „Kein Ticken und keine Medikamente, das war mir wichtig“, sagt er. „Die biologischen Klappen lassen in 15 bis 20 Jahren nach. Dann bin ich 86 und mache bestimmt keinen Leistungssport mehr.“

Nach der Operation machte er rasche Fortschritte: „Für mich zu langsam“, schmunzelt er. Eine Woche Krankenhaus, zwei Tage davon im Bett – da wurde er unruhig: „Danach bin ich den ganzen Tag in der Klinik herumgelaufen.“ In der Reha steigerte er die Belastung, kaum zu Hause begann er lange Spaziergänge und Radtouren im Flachen. „Nur die OP-Narben haben manchmal geschmerzt. Nach ein paar Wochen fing ich an, leicht zu joggen.“

Ihm ist bewusst: „Ich bin nicht der typische Herzpatient.“ Sein Trainingszustand half, schnell auf die Beine zu kommen. „Aber auch meine Einstellung“, vermutet er: „Nicht krank sein wollen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und zu bestimmen, was mit dem eigenen Körper passiert.“ Seine Frau Helga habe mehr Angst gehabt als er selbst. Aus ärztlicher Sicht gab es keine Bedenken: „Ich wurde ja rundum gut betreut.“ Ein halbes Jahr nach der OP begann er mit kurzen Läufen und Schwimmeinheiten, wenig später trainierte er wieder fünf Mal pro Woche.

Anfang Juni diesen Jahres absolvierte er seinen ersten Triathlon nach der Diagnose – „und im Juli, also fast genau ein Jahr nach der Operation, war ich wieder topfit.“ Den Triathlon in Hamburg gewann er als erster seiner Altersklasse. Persönliche Bestzeit. Jetzt blickt er ins kommende Sportjahr. Einige Wettkämpfe stehen bereits auf dem Plan. „Es ist ein Fehler,“ sagt Bartz heute, „sich Ängsten hinzugeben.“

Schnell gesund werden, um mein altes Leben wieder zu haben.

Ihr Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Stefan Bauer

Prof. Dr. med. Stefan Bauer

Leitender Oberarzt der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie Bereichsleiter minimalinvasive Mitralklappenchirurgie

MEDICLIN Herzzentrum Lahr