03.06.2020

Dreidimensionaler Blick tief ins Herz

Mit dem neuen 3D-Turm verfügt das MEDICLIN Herzzentrum Lahr seit diesem Jahr über eine neue, innovative Operationstechnik.

Für höchste Präzision: Mit dem neuen 3D-Turm verfügt das Herzzentrum Lahr seit diesem Jahr über eine neue, innovative Operationstechnik. Damit wird die Qualität minimalinvasiver Eingriffe noch einmal deutlich verbessert.

Minimalinvasiv – so nennt sich heute jede Operation ohne größere Schnitte. Gut für die Patienten, denn dadurch verlaufen Eingriffe zunehmend schonender. Seit zwei Monaten arbeiten die Professoren Stefan Bauer und Ralf Sodian mit dem jüngst neu angeschafften 3D-Turm. Im Gespräch berichten sie über die ersten Erfahrungen damit.

In der Herzchirurgie ist die „Schlüssellochchirurgie“ seit Jahren etabliert. Was ist denn so neu an dem 3D-Operationsturm?

Professor Dr. Stefan Bauer:

Bislang waren wir ja auch schon ziemlich gut. Aber der größte Unterschied liegt in der exzellenten Tiefenwahrnehmung und der Orientierung im Raum. Vorher habe ich natürlich auch genau gesehen, was ist, aber ich konnte die Tiefe nicht einschätzen. Mit dem neuen 3D-Turm ist die räumliche Wahrnehmung so exakt wie in der Realität. Das ist für die Präzision ganz entscheidend.

Professor Dr. Ralf Sodian:

Wir sind stolz, diese modernste Technik in unserer Klinik anbieten zu können. Das Gerät ist mit das neueste, was es auf dem Markt gibt, im Südwesten sind wir damit ein Vorreiter und können Patienten effektiver, sicherer und schonender operieren. Und ehrlich gesagt: Wir Chirurgen haben auch was davon. Es macht einfach mehr Spaß.

Das müssen Sie genauer erklären.

Sodian:

Wir haben inzwischen etwa 20 Operationen mit dem neuen Gerät durchgeführt und gemerkt: Die Präzision ist höher, weil ich mich viel leichter tue, mich zu orientieren.

Bauer:

Es ist wesentlich haptischer. Egal aus welchem Winkel ich auf den Monitor schaue: Es ist knackscharf und sogar besser, als wenn ich direkt darauf gucken würde. Bei einem zweidimensionalen System muss ich mit dem Instrument erstmal hinfahren und mich vorsichtig an die Stelle herantasten. Jetzt weiß ich sofort: Jetzt bin ich da. Und noch etwas ist jetzt ganz anders: Jeder im Team, egal ob Assistent, Anästhesistin, Kardiotechniker oder OP-Schwester, kann nun dreidimensional realitätsgetreu nachverfolgen, was ich mache. Das verbessert die Abläufe enorm.

Inwiefern?

Sodian:

Wenn die OP-Schwester weiß, was sie da gerade machen, dann weiß sie auch, welches Instrument sie als nächstes brauchen. Und der Anästhesist, der nach der Operation einen Ultraschall zur Kontrolle macht, kann diesen dann auch viel besser beurteilen.

Bauer:

Früher lief diese Art der Mitralklappenchirurgie ja so ab, dass einer alles gesehen hat. Nämlich ich als Chirurg. Und die anderen gar nichts. Mit dem 3D-Turm öffne ich sozusagen meine Sicht …

… und das fällt Ihnen nicht schwer?

Ach, das ist jetzt nicht mehr so eine Egoistennummer und deshalb eine riesige Verbesserung für den Patienten: Wenn statt einem Chirurgen plötzlich fünf versierte Profis genau das gleiche auf dem Monitor sehen, dann fällt den anderen womöglich drumherum etwas auf, das mir in dem Moment vielleicht entgeht, in dem ich komplett auf einen bestimmten Bereich fokussiert bin. Als Operateur sind sie ja manchmal in so einem Tunnel …

Sodian:

Alle im Team sind viel näher dabei. Letztlich bringt das dem Patienten ein großes Plus bei Qualität und Methodenverbesserung. Ist auch das Operationsergebnis durch den 3D-Turm ein besseres? Das kann man so nicht sagen. Die Klappen haben wir ja bislang auch ordentlich operiert. Andererseits wird letztendlich immer auch die Qualität besser, wenn man in der Chirurgie die Bedingungen verbessert. Was sich allerdings für den Patienten geändert hat: Der Eingriff ist noch schonender geworden, denn je hochwertiger die Optik, desto kleiner der dafür nötige Schnitt. Das heißt auch: Die Patienten sind nach dem Eingriff schneller wieder mobil und haben auch weniger Schmerzen.

Für welche Operationen genau ist der Turm geeingnet?

Bauer:

Ich operiere damit hauptsächlich Mitralklappen, also jene Art minimalinvasiver, endoskopischer Eingriff, den ich seit über 12 Jahren am Herzzentrum durchführe – mit einem kleinen Einschnitt an der Seite des Brustkorbs.

Sodian:

Das Gerät haben wir speziell für diese Art Eingriffe angeschafft. Aber ich habe es inzwischen auch für komplexe Aortenfälle verwendet. Das Ergebnis ist sehr eindrucksvoll.

Alle im Team sind bei jedem Schritt dabei. Das verbessert die Abläufe.

Ihre Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Stefan Bauer

Prof. Dr. med. Stefan Bauer

Leitender Oberarzt der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie Bereichsleiter minimalinvasive Mitralklappenchirurgie

MEDICLIN Herzzentrum Lahr

Prof. Dr. med. Ralf Sodian

Prof. Dr. med. Ralf Sodian

Chefarzt der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie

MEDICLIN Herzzentrum Lahr