03.06.2020

Leben retten will trainiert sein.

Stefan Rakow erzählt wie das Reanimationsteam am MEDICLIN Herzzentrum Lahr für den Ernstfall trainiert.

Etwa 50.000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Gut zu wissen, worauf es im Notfall ankommt.

Etwa 50.000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb des Krankenhauses. Nach Alarmierung des Rettungsdienstes trifft dieser im Durchschnitt nach acht Minuten ein. Doch das Gehirn wird bereits nach drei bis fünf Minuten ohne Blutfluss unwiederbringlich geschädigt.

Ein sehr knappes Zeitfenster also, in dem eine Reanimation die Überlebenschancen des Betroffenen verdoppeln bis verdreifachen kann. Stefan Rakow gehört zum Reanimationsteam, das der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Herzzentrum Lahr unter Leitung von Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Jan N. Hilberath angehört. Rakow besitzt die Fachweiterbildung Anästhesie und Intensivmedizin und ist Mega Code Trainer. Was sich für den Laien kryptisch anhört, bedeutet nichts anderes als eine hohe Kompetenz in der Notfallversorgung, die auch Schulungen mit

Zu trainieren, wie man in einer Notfallsituation angemessen reagiert, ist absolut wichtig, um eine professionelle Routine zu entwickeln.

Herr Rakow, was bedeutet Mega Code Training?

Stefan Rakow:

Unter Mega Code Training versteht man die Herz-Lungen-Wiederbelebung, die nach einem bestimmten Algorithmus erfolgen muss. Der Mega Code ist Standard für Rettungsdienstfachpersonal, muss regelmäßig trainiert und durch eine Zertifizierung abgesichert werden. Dadurch soll die Notfallkompetenz gewährleistet werden, die die Einsatzkräfte befähigt bis zum Eintreffen des Arztes entsprechende Maßnahmen durchführen zu können.

Was gehört zu Ihren Aufgaben als Mega Code Trainer?

Rakow:

Wir Mega Code Trainer sind für die Schulungen aller Mitarbeiter im Haus zuständig. Dafür gibt es Leitlinien, die eingehalten werden müssen. Das Training folgt einem bestimmten Algorithmus, der an einer Puppe geübt wird. Unser Reanimationsteam präsentiert aber auch Wiederbelebungsmaßnahmen für Laien, zum Beispiel für Unternehmen oder an Aktionstagen. Wir unterstützen bei Reanimationsübungen und stehen für Fragen zur Verfügung.
 

Einmal im Monat führen Sie ein Training in der Klinik durch. Warum ist das sinnvoll?

Rakow:

Das regelmäßige Training erfolgt mit allen Angestellten, also auch der Verwaltung, der Technik, dem Empfang oder der Kantine. Zu wissen, wie man in einer Notfallsituation angemessen reagiert, ist absolut wichtig, um eine professionelle Routine zu entwickeln. Und wir trainieren regelmäßig die Zusammenarbeit und Abläufe zwischen Ärzten und Pflege. Wiederholung und Übung prägen sich ein.

Hilft Üben in einer Notsituation kühlen Kopf zu bewahren?

Rakow:

Ja, unbedingt. Wir versuchen Anspannung zu simulieren. Mitarbeiter werden unangekündigt von der Arbeit abgerufen für das Notfalltraining. Da steigt der Adrenalinspiegel. Durch das regelmäßige Trainieren ist man vertrauter mit der Situation und bleibt im Ernstfall ruhiger. Und das ist eine Voraussetzung, um sicher zu handeln und Menschen zu helfen.

Wie gehen Sie selbst mit schwierigen Erlebnissen um?

Rakow:

Im Lauf der Zeit prägt sich da natürlich ein professioneller Umgang aus. Gefühle bleiben beim Einsatz erstmal außen vor. Wir müssen schnell agieren und konzentriert Hilfeleistung geben. Gut ist, zu wissen, man kann sich absolut auf die Kollegen verlassen. Jeder Handgriff sitzt und die Abläufe sind eingespielt. Nachbesprechungen sind ganz wichtig, um später die Erlebnisse emotional verarbeiten zu können. Und um das Handeln nochmal zu reflektieren.

Welche Standards haben Sie für die Klinik erarbeitet?

Rakow:

Einmal im Jahr besuchen wir eine Reanimationsschulung, bei der die aktuellen ERC Leitlinien, Richtlinien des European Resuscitation Councils, vorgestellt und praktische Übungen durchgeführt werden. Neue Mitarbeiter am Herzzentrum werden langsam eingearbeitet und von einer erfahrenen Person begleitet. Auch medizinpädagogische Gesprächstechniken gehören zu den Schulungen. Schließlich ist es wichtig, den Patienten und Personen, die

beim Notfall anwesend waren, so zu befragen, dass man schnell die entscheidenden Fakten kennt. Alle fünf Jahre werden neue Leitlinien veröffentlicht. Auch wir als Mega Code Trainer unterliegen der Pflicht auf aktuellstem Wissensstand zu agieren und Schulungen durchzuführen.

Ihr Ansprechpartner

Stefan Rakow

Gesundheits- und Krankenpfleger

MEDICLIN Herzzentrum Lahr