03.06.2020

Lückenlos und sicher überwacht

Fachpflegerin Diana Haas berichtet von ihrem intensiven Arbeitsalltag.

Auf der Intensivstation arbeiten Ärzte und speziell ausgebildete Pflegekräfte Hand in Hand für eine optimale medizinische Versorgung nach der Herzoperation. Fachpflegerin Diana Haas berichtet von ihrem intensiven Arbeitsalltag.

Intensivstation, elf Uhr am Vormittag. Eine Patientin wird im Bett hereingerollt. 74 Jahre alt. Neue Herzklappe. Der Brustkorb hebt und senkt sich – alles gut gelaufen, ein Standardeingriff. Dennoch: „Operationen am Herzen sind immer komplexe Eingriffe“, sagt Diana Haas, Intensivpflegerin am Herzzentrum Lahr. Nach jeder Herzoperation kommen die Patienten auf die herzchirurgische Intensivstation. Dort werden sie lückenlos überwacht – in den ersten Stunden nach dem Aufwachen. Manche tagelang. Und schwere Fälle auch über Wochen und Monate.

Doch jetzt ist alles im normalen Bereich. Die narkotisierte Patientin wird noch beatmet, als Diana Haas, die diensthabende Ärztin auf Station, und ein weiterer Pfleger die Frau in Empfang nehmen. Jetzt muss jeder Handgriff genau sitzen. Haas, 31 Jahre alt, arbeitet seit 2008 im Herzzentrum, 2012 absolvierte sie eine Fachweiterbildung zur Anästhesie- und Intensivpflegerin. Sie bewegt sich durch die hellen Räumlichkeiten, als hätte sie nie etwas anderes getan. Sie weiß in jeder Situation genau, was sie tut, wann sie es tut und wie sie es tut.

Haas und ihr Kollege schieben die Frau an den vorgesehenen Bettplatz. Die Intensivpflegerin schließt die Schläuche des Beatmungsgerätes an, außerdem Elektroden und Katheter, die Herzfrequenz und Blutdruck überwachen. Dann schiebt sie einen Clip über einen Finger, der den Sauerstoffgehalt des Blutes misst.

Auf dem Monitor zeigt eine grüne, zackige Linie die Herzfrequenz an, eine andere den Puls, eine weitere die Atemfrequenz. „Für jeden Wert geben wir eine Alarmgrenze ein“, erklärt Haas: „Was für den einen Patienten normal ist, kann für einen anderen auffällig sein.“ Und wenn es wirklich brenzlig wird? „Dann sind wir in Sekunden am Bett.“

Bei der heutigen Patientin sieht alles danach aus, als würde der Aufenthalt auf der Intensivstation ohne Zwischenfälle verlaufen. Morgen früh wird sie aller Voraussicht nach auf die Normalstation gebracht: „Die Patienten verlegen wir immer am Morgen nach dem Frühstück. Bis dahin ist einiges zu tun,“ sagt Haas: „Zu Beginn der Frühschicht um sechs Uhr Morgens untersuche ich die Patienten, kontrolliere alle Werte, messe die Temperatur, wechsle Verbände und wasche sie. Oder ich helfe ihnen bei der Körperpflege.“

Nach dem Frühstück werden gemeinsam mit dem Arzt Zugänge, Drainagen oder Katheter gezogen. Stabile Patienten kommen auf die Normalstation. Morgenroutine. Es sei denn, ein Notfall kommt dazwischen. „Unvorhergesehenes kann immer geschehen“, sagt Haas: „Menschen, die einen Schlaganfall bekommen oder nicht aus der Narkose aufwachen. Oder wenn es lebensbedrohliche Komplikationen gibt, wenn reanimiert werden muss.“ Dann muss es schnell gehen.

Der Beruf als Intensivpflegerin erfüllt sie, sagt Diana Haas später, als sie mal fünf Minuten durchatmen kann. Auch wenn die Arbeit weder körperlich noch psychisch leicht sei: „Es klingt irgendwie banal, aber ich bin Krankenpflegerin geworden, weil ich Menschen helfen will. Und hier kann ich das besser verwirklichen als auf einer Normalstation.“

Intensivmedizin und Menschlichkeit unter einen Hut zu bringen – ist das nicht schwer, zwischen blinkenden und fiependen Monitoren und den Geräuschen der Beatmungsgeräte? Unter häufiger Anspannung und dem permanenten Ausnahmezustand? „Im Gegenteil, ich habe hier viel mehr Zeit, auf die einzelnen Menschen einzugehen.“ Auf der normalen Station kümmere sich eine Pflegekraft um acht Patienten, „bei uns ist jeder für zwei Patienten verantwortlich.“ Insgesamt werden auf der Intensivstation im Herzzentrum in der Regel 15 Patienten betreut. Auch wenn die intensivmedizinische Versorgung im Vordergrund stehe, bliebe so viel mehr Zeit für persönliche Zuwendung, für ein Gespräch. Und es gibt noch einen Grund, weshalb sie den Job auf der Intensivstation liebt: „Wir arbeiten selbstständig und tragen mehr Verantwortung, etwa das permanente Überwachung der Vitalfunktionen.“

Sie schätzt das eng vernetzte Arbeiten zwischen Ärzten und Pflegepersonal: „Wir sind ein eingespieltes Team und können uns immer aufeinander verlassen. Die Beziehungen sind eng, fast familiär,“ sagt Haas: „Vielleicht reagieren wir so auf die ständige Ausnahmesituation.“

Zwei Jahre dauert die „Weiterbildung Anästhesie- und Intensivpflege“ am Herzzentrum

Lahr. „Voraussetzungen sind eine abgeschlossene Berufsausbildung als Pflegerin und zwei Jahre Berufserfahrung auf einer Intensivstation“, sagt Rafaela Kedzierski, Leiterin des Pflegedienstes. Um als Krankenpfleger auf einer Intensivstation zu

arbeiten, ist die Weiterbildung zwar keine Bedingung. „Aber wir brauchen vermehrt diese Profis, um hochspezialisierte Verfahren in der Herzchirurgie überhaupt anbieten zu dürfen“, so Kedzierski. „Die fachliche Expertise erweitert also nicht nur den Horizont der Pflegekraft, sondern kommt unmittelbar der medizinischen Qualität für unsere Patienten zugute.“

Ein Höchstmaß an Verantwortung. Und jeden Tag neue Herausforderungen.

Wir sind ein eingespieltes Team und können uns immer aufeinander verlassen.

- Diana Haas, Intensivpflegerin seit 2012

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