02.06.2020

Wenn das Herz in’s Schnaufen kommt.

Was Sie über Herzinsuffizienz wissen sollten.

Professor Dr. Eberhard von Hodenberg ist Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie beim MEDICLIN Herzzentrum in Lahr. Im Interview erklärt er, was Patienten und Angehörige über das Krankheitsbild wissen sollten.

Herr Professor von Hodenberg, wie macht sich eine Herzinsuffizienz bemerkbar?

Eine Herzschwäche entwickelt sich meist über Jahre hinweg. Im Alltag wird sie von den Betroffenen oft dann bemerkt, wenn ihnen sprichwörtlich die Puste ausgeht: beim Treppensteigen oder schnellerem Gehen. Auch Wassereinlagerungen, die sich durch geschwollene, schwere Beine bemerkbar machen, können auf eine Herzinsuffizienz hindeuten. Wenn die normale Atmung unterbrochen wird und nicht mehr genügend Sauerstoff das Gehirn erreicht, treten auch Schlafstörungen auf. Patienten haben oft hartnäckigen Husten oder fühlen sich erschöpft, müde und niedergeschlagen.

Entwickelt sich die Herzschwäche immer über längere Zeit?

Nein, wir unterscheiden bei der Diagnose zwischen chronischer Herzinsuffizienz, die bereits seit Wochen, Monaten oder Jahren vorliegt, und akuter Herzinsuffizienz, die innerhalb von Minuten, Stunden oder Tagen auftreten kann.

Was genau passiert im Körper bei der Herzschwäche?

Ganz grundsätzlich bedeutet eine Herzinsuffizienz, dass die Pumpfunktion des Herzens geschwächt ist. In einem gesunden Körper pumpt die linke Herzkammer das sauerstoffreiche Blut in den Kreislauf, also zu den Organen wie Gehirn, Leber, Niere. Die rechte Herzkammer pumpt das sauerstoffarme Blut zur Lunge. Von einer Insuffizienz kann entweder nur eine oder auch beide Herzkammern betroffen sein. Ursache einer Herzschwäche kann eine koronare Herzkrankheit, eine Herzmuskelentzündung, ein langjähriger Hochdruck, ein Herzklappenfehler oder auch eine genetisch bedingte Herzmuskelschwäche sein.

Auf welche Untersuchungen müssen sich Patienten einstellen?

Die wichtigste Routineuntersuchung ist dabei der Ultraschall des Herzens, die Echokardiografie. Weiter untersuchen wir auf Symptome wie eine Halsvenenstauung, Rasselgeräusche in der Lunge, Ödeme oder Schwellungen an den Beinen. Zudem prüfen wir, ob der Herzschwäche eine Grunderkrankung vorausgeht. Oft ist zur weiteren Klärung eine Herzkatheteruntersuchung erforderlich.

Muss bei einer Herzinsuffizienz immer operiert werden oder lässt sie sich auch mit Medikamenten behandeln?

Wenn die Krankheit noch nicht zu weit fortgeschritten ist, können die Symptome auch durch eine Kombination von Medikamenten behandelt werden. Je nach Schweregrad der Herzinsuffizienz setzen wir entwässernde, herzentlastende, blutdrucksenkende Medikamente ein oder solche, die die Herzfrequenz verlangsamen.

Welche Operationen und Behandlungsmöglichkeiten bietet das Herzzentrum Lahr, wenn Medikamente nicht ausreichen?

Wenn sich die einzelnen Abschnitte der Herzkammerwand nicht mehr gleichzeitig zusammenziehen, kann ein besonderer Herzschrittmacher helfen. Das sogenannte CRT System sorgt dafür, dass sich die Herzkammerwände wieder synchron bewegen. Bei Herzschwäche mit begleitender Mitralinsuffizienz wird als schonende Behandlung das Mitralclipping angewandt. Dabei muss der Brustkorb nicht geöffnet werden. Bei akuter Herzinsuffizienz werden in Notfallsituationen auch Kreislaufunterstützungssysteme (ECMO/ECLS) sowie eine herzunterstützende Pumpe (Impella) eingesetzt. In seltenen Fällen, also wenn der Patient keine andere Überlebenschance mehr hat, implantieren wir ein Linksherzunterstützungssystem (Kunstherz) zur Unterstützung der Herzfunktion.

Folglich bietet das Herzzentrum Lahr das gesamte Spektrum von der ersten medikamentösen Therapie bis zum Kunstherzen als letzter Rettung.

Eine Herzschwäche entwickelt sich oft über Jahre hinweg.

- Prof. Dr. Eberhard von Hodenberg

Ihr Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Eberhard von Hodenberg

Prof. Dr. med. Eberhard von Hodenberg

Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie

MEDICLIN Herzzentrum Lahr