18.05.2020

Die künstliche Herzklappe bedeutet Lebenszeit

Erkennen Sie die Anzeichen für eine Aortenstenose rechtzeitig.

Eine durch Kalkablagerungen verengte Aortenklappe zählt zu den häufigsten Herzklappenerkrankungen bei älteren Menschen. Bleibt sie unbehandelt, reduziert sich die Lebenserwartung drastisch.

Es ist der am häufigsten erworbene Herzklappenfehler und betrifft 2 bis 9 Prozent der Menschen über 65 Jahren. Abnehmende Leistungsfähigkeit und Schwäche mit Ohnmachten sind typische Symptome einer Aortenstenose.

Leider ist eine zu späte Diagnose nicht selten der Fall. Oft schiebt man die Anzeichen auf das Alter und verkennt das Problem. „Wird die Erkrankung nicht behandelt, stirbt die Hälfte der Patienten in den nächsten zwei Jahren“, erläutert Prof. Dr. Robert Bauernschmitt, einer der führenden Spezialisten für den Aortenklappenersatz. Er empfiehlt, solche Symptome ernst zu nehmen und im Zweifel eine kardiologische Untersuchung vornehmen zu lassen.

Warnsignale richtig deuten

Es ist die fortschreitende Verkalkung der Klappentaschensegel, die eine Verengung der Aortenklappe verursacht. Die Klappe öffnet sich nicht mehr ausreichend, es kommt zu einem Engpass, der oft mit einer Undichtigkeit der Klappe verbunden ist. Das sauerstoffreiche Blut kann nicht mehr ungehindert von der linken Herzkammer in die Hauptschlagader gepumpt werden.

Eine Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff und Nährstoffen ist die Folge. Schwäche und Erschöpfung bei kleinen Anstrengungen stellen sich ein. Oft entwickeln sich diese Beschwerden über einen längeren Zeitraum. Viele Betroffene nehmen sie anfangs nicht als erhebliche Einschränkungen wahr. Ein Gewöhnungseffekt stellt sich ein, der mitunter mit einer unbewussten Vermeidung von Anstrengung oder Aktivität einhergeht. „Die große Gefahr ist, dass die Erkrankung nicht oder erst zu spät erkannt wird“, so Bauernschmitt. „Eine Untersuchung beim Hausarzt oder Kardiologen ist bei den beschriebenen Symptomen in jedem Fall ratsam. Mit dem Stethoskop lässt sich übrigens schnell feststellen, ob eine Verengung der Aortenklappe durch Kalkablagerungen vorliegt. Denn sie verursacht ein ganz spezifisches Geräusch.“

Sollte sich der Verdacht einer Aortenklappenverengung bestätigen, ist die Operation mit einem individuell passenden künstlichen Klappenersatz die einzig sinnvolle Lösung. Die Spezialisten am Herzzentrum Lahr – bestehend aus Herzchirurgen, Kardiologen und Anästhesisten – führen diese Eingriffe mit viel Erfahrung durch. „Es gibt zwei Möglichkeiten, eine defekte Herzklappe zu behandeln. Einmal als offene Herzoperation, bei der der Patient an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen wird. Oder minimalinvasiv mit Hilfe eines Katheters über die Leiste. Letzteres ist ein sehr schonendes Verfahren, das wir als TAVI – transcatheter aortic valve implantation – bezeichnen“, erläutert Prof. Dr. Ralf Sodian, Chefarzt der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie.

Wann welches Verfahren zum Einsatz kommt, entscheidet das Ärzteteam nach genauer Fallanalyse. Das Risiko tödlicher Komplikationen ist mit 1 bis 2 Prozent bei beiden Verfahren gleich gering.

 

Erklär mir:

Herzklappen-Implantate im TAVI-Verfahren

Um mit einem Katheter von rund sechs Millimetern Durchmesser richtig platziert werden zu können, bedarf es einer sehr spezifischen Konstruktion des Implantats. Bei dem TAVI-Eingriff werden biologische Herzklappen verwendet.
Ihre Klappensegel sind aus behandeltem Tiergewebe hergestellt, die zusammengefaltet in ein Gerüst aus Kobalt-Chrom, den sogenannten Stent, eingefügt sind. Systematisch gesehen gibt es zwei Gruppen von künstlichen Klappentypen.

Ballonexpandierbare Prothesen

Ihr Metallgeflecht besteht aus Kobalt-Chrom. Mithilfe der Röntgenkontrolle wird der Stent beim TAVIEingriff in die richtige Position im Herzen gebracht. Durch Aufblasen des Ballons entfalten sich die Klappensegel und das Implantat verankert sich.

Selbstexpandierende Prothesen

Der Stent besteht aus Nitinol, einer Legierung von Nickel und Titan. Dieses Metall wird bei Kälte weich und formbar. Somit lässt es sich gut in den Katheter montieren. Auch diese Prothese wird unter Röntgenkontrolle an die korrekte Position im Herzen geschoben. Unter Einwirkung der Körperwärme lässt sich die künstliche Herzklappe dann entfalten.

Das „Korken-Prinzip“

Ob per Ballon oder durch Körperwärme, beiden Klappentypen haben gemeinsam, dass sie sich nach der Platzierung an der richtigen Stelle durch Radialkraft, die bei der Entfaltung der Segel entsteht, sicher verankern. Ähnlich dem Korken im Flaschenhals. Welcher Prothesentyp und welche Größe verwendet werden, hängt von den individuellen anatomischen Eigenschaften des Patienten ab. Bei allen Patienten wird vor dem Eingriff eine sehr sorgfältige Diagnostik mit Herzecho, Herzkatheter und Computertomogramm durchgeführt.

Ihre Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Robert Bauernschmitt

Prof. Dr. med. Robert Bauernschmitt

Oberarzt der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Leiter strukturelle Herzerkrankungen (TAVI, TMVR etc.)

Prof. Dr. med. Ralf Sodian

Prof. Dr. med. Ralf Sodian

Chefarzt der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie